Sherlock, die Serie (BBC 2010)

An meinem Interesse für Sherlock Holmes ist in erster Linie (wenn auch nicht auschließlich) die BBC-Serie „Sherlock“ Schuld, deren erste Staffel im vergangenen Sommer über die deutschen Bildschirme flackerte. Was es mit dieser Serie auf sich hat und warum ich sie so unglaublich gut finde, erfahrt ihr hier.

Die Idee

Sherlock-Produzent und -Drehbuchschreiber Steven Moffat (bekannt u.a. durch „Doctor Who“) hatte die einfache, aber geniale Idee die Story um Sherlock Holmes in die heutige Zeit zu versetzen. Holmes, der ja stets auf dem neuesten Stand der Technik, wenn nicht sogar seiner Zeit voraus, war, bedient sich modernster Kommunikationsmittel. Smartphone und Internet sind heute für seine Arbeit unentbehrlich.

Das ist neu, das ist anders, das ist erfrischend. Das Schöne ist jedoch, dass es den Machern von Sherlock gelungen ist, trotz aller Innovation den ursprünglichen Geist von Sherlock Holmes einzufangen und zu erhalten. Auch wenn Holmes nun SMS statt Telegrammen schreibt und seine Sucht mit Nikotin-Pflastern statt Pfeifenrauch stillt, ist er doch immer noch Arthur Conan Doyles Genie, das alles weiß und kann und unglaublich von sich selbst überzeugt ist. Seine Fälle löst er nach wie vor durch genaueste Beobachtung und verblüfft sein Umfeld immer wieder durch treffsichere Schlussfolgerungen. Man kann sich sehr gut vorstellen, dass der „echte“ Sherlock Holmes wirklich genauso agiert hätte, wäre er als Kind unserer Zeit geboren.

Die Fälle sind neu geschrieben, greifen jedoch immer wieder Elemente und Rätsel aus bekannten Holmes-Geschichten auf. Fans dürfen sich über jede Menge Anspielungen freuen.

Die Umsetzung

Mit nur drei 90-minütigen Folgen ist die erste Staffel sehr kurz. Doch hier geht ganz klar Qualität vor Quantität. Die Serie überzeugt nicht nur durch schauspielerische Leistung (dazu unten mehr), sondern auch durch sehr hochwertige Produktion. Vom eingängigen Soundtrack über die detailverliebte Kameraführung bis zum aufwändigen Schnitt stimmt hier einfach alles.

Spannung und Dramatik bleiben stets auf hohem Level. Die Geschichte wird atmosphärisch dicht erzählt. Die Aufmachung ist sehr modern, die Bilder schnell. Immer wieder gibt es kurze Rückblendungen, die Sherlocks Ausführungen unterstreichen. Schließlich kann nicht jeder wie Sherlock Holmes alle Details gleich auf den ersten Blick erkennen.

Die Charaktere

Viel mehr noch als die Buchvorlage lebt diese Serie von ihren Charakteren. Mit Benedict Cumberbatch als zynisch-arrogantem Genie in der Hauptrolle und Martin Freeman als furchtlosem Kriegsveteran Watson als dessen unersetzlichem Sidekick ist der BBC ein Glücksgriff gelungen. Cumberbatch balanciert äußerst gekonnt auf dem schmalen Grad zwischen Genialität und Wahnsinn und erweckt Sherlock Holmes mit allen seinen guten und schlechten Eigenschaften zum Leben. Er ist vielleicht noch einen Hauch exzentrischer als das Literaturvorbild. Aber der moderne Sherlock Holmes lebt ja auch in einer Zeit, in welcher die Umwelt seinem Universalgenie eher mit Skepsis als mit Bewunderung begegnet und den Meisterdetektiv, der das Verbrechen liebt und in seiner freien Zeit Experimente mit postmortal zugefügten Wunden macht, gerne zum „Freak“ degradiert.

John Watson hat die Aufgabe Holmes immer wieder auf den Boden der Tatsachen zurückzuholen und ihn manchmal auch an die Grundregeln des menschlichen Zusammenseins zu erinnern. Dabei ist Watson schon nach kürzester Zeit zum größten Bewunderer Sherlocks geworden.

Die Chemie zwischen den beiden Hauptdarstellern ist grandios. Sie interpretieren die schwierige und sehr besondere Beziehung zwischen Holmes und Watson, die über eine normale Freundschaft weit hinausgeht, mit viel Fingerspitzengefühl. Es ist eine Freude, ihrem Spiel zuzusehen.

Die Story

Armeearzt Dr. John Watson ist gerade mit einer Verletzung aus dem Afghanistan-Krieg zurückgekommen und kämpft nun gegen Geldsorgen, seine Erinnerungen und vor allem gegen die Langeweile. Als er kurzentschlossen mit dem völlig fremden Sherlock Holmes in eine WG zieht, sind alle diese Probleme auf einen Schlag gelöst. Denn mit Sherlock Holmes wird es nie langweilig.

Als weltbester und einziger „Consulting Detective“ berät Holmes Scotland Yard, immer dann, wenn die Polizei nicht weiter weiß (was so gut wie immer der Fall ist).

In der ersten Staffel gibt es drei dramatische Fälle zu lösen:

1: Ein Fall von Pink:

Eine Serie mysteriöser Selbstmorde erschüttert London. Holmes ist sofort klar, dass man es hier mit einem Serienmörder zu tun hat. Grandios spannende Auftaktfolge und wunderbare Vorstellung der wesentlichen Charaktere.

2: Der blinde Banker:

In einer Bank wird eine mysteriöse Botschaft gefunden. Kurze Zeit später ist einer der Banker tot. Der Mörder kann offensichtlich durch Wände gehen, denn die Leiche wird in einem von innen verschlossenen Raum gefunden.

3: Das große Spiel:

Obwohl Sherlock sich langweilt, hat er keine Lust, einen verschwundenen USB-Stick für den Geheimdienst zu suchen. Glücklicherweise explodiert eine Bombe und Holmes ist wieder mitten drin im spannendsten Fall. Ein dramatischer Wettlauf gegen die Zeit beginnt, in welchem sich Holmes und der geheimnisvolle Bombenleger ein hochklassiges Duell liefern.

Fazit

„Sherlock“ übernimmt alle bewährten und erfolgreichen Elemente aus Arthur Conan Doyles Geschichten, besonders die Charakterzeichnung ist erstaunlich nah am Original. Der BBC ist es gelungen der Story durch das neue Setting und die moderne Umsetzung eine ganz neue Note zu geben, ohne dabei das Sherlock Holmes-Flair zu verlieren.

Eine absolut empfehlenswerte Serie, die mit Spannung, Innovation und ausgezeichnetem Charakterspiel zu überzeugen weiß.

Wer mal reinschnuppern will, findet hier den Trailer zur ersten Staffel.

Die erste Staffel ist bereits auf DVD und Bluray erhältlich.

Die zweite Staffel wurde in Großbritannien im Januar ausgestrahlt und erreichte Rekordquoten. In Deutschland startet sie am 17. Mai. Es ist also noch eine Woche Zeit, die drei Folgen der ersten Staffel nachzuholen (oder nochmal aufzufrischen).

Eine dritte Staffel ist angekündigt.

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