Tricontium von Maike Claußnitzer

Genre: 
Verlag: 
BoD
Erscheinungsjahr: 
2013
Seiten: 
670

Richterin Herrad soll den Gerichtshof der Provinz Tricontium übernehmen, doch statt mehr oder weniger treuen Untertanen findet sie dort nur verlassene Dörfer, Geister und die Spuren einer fürchterlichen Verschwörung.
Der Hauptmann ihrer Wache Ardeija ist derweil mit seinem kleinen Drachen Gjuki in die Gefangenschaft des Fürsten Asgrim geraten, was bei ihm sehr düstere Erinnerungen an den Bürgerkrieg hervorruft.
Es gilt Ardeija zu befreien und die Verschwörung aufzudecken, möglichst ohne die sehr empfindliche politische Stabilität des Reiches zu gefährden.
Es muss sich noch zeigen, ob es Glück oder Unglück ist, dass Herrad dabei plötzlich auch noch einen Dieb und seinen kleinen Sohn zu versorgen hat.

Tricontium ist ein unterhaltsamer Fantasyroman mit einer ganz eigenen Atmosphäre. Dazu trägt vor allem das interessante Setting bei. Die Geschichte spielt in einer frühmittelalterlichen Welt, wohl kurz nach Untergang des römischen Reiches. Auf den ersten Blick ist alles sehr ähnlich wie in unserer Welt, auf den zweiten dann doch wieder nicht. Die Einbeziehung von realer und legendärer Geschichte der Welt sorgt für viel Plastizität und eine von mir sehr geschätzte Authentizität. Tatsächlich wirkt das Setting eigentlich auch eher realistisch als fantastisch, wären da nicht die Drachen, die Geister und die Magier (wobei die von vielen für Scharlatane gehalten werden). Zudem findet sich hier eine Welt, in der Frauen ganz selbstverständlich Richter, Krieger und Fürsten sind. Das ist auch in der Fantasy eine Ausnahme und fällt mir immer sehr angenehm auf.

Das Lesevergnügen wird noch unterstützt durch die sehr sympathischen Hauptpersonen. Die Figuren werden sehr lebendig charakterisiert. Man hat schnell das Gefühl, sie zu kennen, und nimmt großen Anteil an ihrem Schicksal. Da ist vor allem natürlich Herrad, die Richterin, die nicht nur berufsbedingt sehr gerechtigkeitsliebend ist. Außerdem ist sie aber auch neugierig und eine klassische Frau der Tat, die sich nicht zu schade ist, zur Aufklärung mysteriöser Vorkommnisse auch höchstpersönlich in alten Grabanlagen herumzuklettern. Ihr Hauptmann Ardeija ist dagegen ein wenig abergläubisch und überhaupt sehr emotional und aufbrausend, was sich vielleicht durch das Barsakhanen-Blut erklären lässt, das mütterlicherseits durch seine Adern fließt. Wiederholte Begegnungen mit Geistern machen ihm das Leben auch nicht leichter. Wirklich vom Schicksal gestraft ist jedoch Wulfila, der Dieb aus Notwendigkeit, der eigentlich mal ein großer Krieger war und ein sehr gebildeter, verständiger Mann ist.
Alleine aus dem Zusammentreffen ganz unterschiedlicher Charaktere, ergeben sich immer wieder interessante Geschichten. Maike Claußnitzer hat ein gutes Händchen für unterhaltsame Dialoge und gekonnte Situationskomik. Sie schreibt mit viel Charme und Witz und es macht viel Spaß, die kleine Truppe und ihre Abenteuer zu verfolgen.

Tricontium ist eher ein leiser Fantasyroman. Große Schlacht- oder Actionszenen wird man hier vergeblich suchen. Die braucht das Buch jedoch auch gar nicht, um spannend und unterhaltsam zu sein. Es geht um Politik und Diplomatie, um Intrigen und zwischenmenschliche Befindlichkeiten, vergangenes und gegenwärtiges Unrecht. Zusammen mit einem interessanten und glaubhaften Setting und spannenden Charakteren ergibt sich ein runder, sehr schön zu lesender Roman, der sich auf angenehme Weise ganz dezent vom Fantasy-Mainstream abhebt. Sehr zu empfehlen!

 

Mein Fazit:

Wer sich noch näher über das Buch und seinen Hintergrund informieren möchte, findet bei "Verlorene Werke" einen schönen "Auotrenplausch" mit Maike Claußnitzer.

Außerdem hat die Autorin selbst auch einen besuchenswerten Bücherblog!

Ich freue mich immer über Fragen und Kommentare! (Spoiler bitte kennzeichnen)

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